Erleben · Übung 6 von 7

Die Schwellenübung

Die Schwellenübung: drei bewusste Atemzüge an einer echten Türschwelle.
Die Schwellenübung: drei bewusste Atemzüge an einer echten Türschwelle.
● Grundregel: kleine Dosis, jederzeit abbrechbar, nie erzwungen.

Diese letzte Übung existiert so in keinem anderen Buch, weil sie direkt aus den Bildern entstanden ist, die sich über all diese Kapitel hinweg entwickelt haben. Sie verbindet das Türenbild [→ Kap. 4], den Vorraum [→ Kap. 11] und die drei Ebenen [→ Kap. 26] zu einer einzigen, körperlich verankerten Praxis.

Wähle eine echte Türschwelle in deiner Wohnung, eine, die du häufig durchquerst. Immer wenn du weißt, dass du gleich in eine Situation gehst, die für dich anspruchsvoll ist, ein schwieriges Gespräch, eine Aufgabe, vor der du dich drückst, ein Übergang von Arbeit zu Feierabend, bleibe für drei bewusste Atemzüge genau auf dieser Schwelle stehen, mit einer Hand am Türrahmen.

Stelle dir in diesen drei Atemzügen die drei Fragen von vorhin. [→ Kap. 26] Zustand, wo bin ich gerade? Strategie, was würde ich jetzt automatisch tun? Fähigkeit, habe ich in diesem Moment tatsächlich eine andere Option? Erst nach dem dritten Atemzug trittst du bewusst hindurch, mit einer kleinen, selbst gewählten Absicht, statt automatisch.

Und wenn du die Situation später wieder verlässt, wiederhole die Geste am Rahmen, diesmal als bewusster Übergang zurück, mit der stillen, nicht zwingend ausgesprochenen Anerkennung, dass du gerade einen Raum verlässt, den du bewusst betreten hast, nicht einen, der dich einfach mitgerissen hat.

Diese Übung braucht keine besonderen Hilfsmittel, keine Vorbereitung, keine Anleitung durch eine Fachperson. Sie nutzt lediglich etwas, das du ohnehin täglich mehrfach tust, eine Tür durchqueren, und macht daraus, ganz im Sinne der Raumarchitektur [→ Kap. 15], ein kleines, wiederholbares Ritual bewusster Wahl.